Inmitten steigender Lebenshaltungskosten und wachsender gesellschaftlicher Unzufriedenheit ruft eine Koalition aus spanischen Organisationen zum Kaufstreik auf. Ziel ist es, nicht nur ein Zeichen gegen die Preisentwicklung zu setzen, sondern auch die Strukturen im Lebensmittelsektor zu hinterfragen.
Der Protest folgt einem klaren Muster: Am Mittwoch, dem 28. Oktober, sowie am 4. November werden Supermärkte und große Ketten gemieden. Der Höhepunkt ist der 11. November, an dem die Konsumenten dazu aufgefordert sind, gar nichts zu kaufen – auch nicht online. Hinter dieser Initiative stehen die Confederación de Sindicatos de Inquilinas (Mietervereinigungen), Justicia Alimentaria (Lebensmittelgerechtigkeit) und der Verbraucherverband Facua. Sie lenken das Augenmerk auf die Kluft zwischen Bauernpreisen und Ladenpreisen und fordern unter anderem eine doppelte Preisauszeichnung sowie staatliche Eingriffe gegen ungerechtfertigte Teuerungen.
Kern der Aktion ist nicht der Boykott an sich, sondern eine bewusste Umlenkung des Konsums: Auf lokale Märkte, kleine Nachbarschaftsläden und faire Direktanbieter. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass die Aktion nicht gegen das Personal von Handelsketten oder kleine Einzelhändler gerichtet ist – im Gegenteil, diese Gruppen werden zur Teilnahme eingeladen.
Der Kaufstreik richtet sich daher explizit auch an Menschen, die ihren Arbeitsplatz nicht einfach verlassen können: etwa prekär Beschäftigte, Selbstständige, Studierende oder Rentner. Für sie wird alltäglicher Einkauf zur Protestform.
Die Zahlen belegen den Ernst der Lage. Der Warenkorb ist laut INE seit 2019 um rund 40 Prozent teurer geworden, während die Löhne lediglich um 22 Prozent gestiegen sind. Währenddessen erzielen Supermarktgiganten Rekordgewinne, Bauern bleiben oft auf niedrigen Preisen sitzen.
Ob der Streik unmittelbare Auswirkungen haben wird, bleibt ungewiss. Doch eines ist sicher: Der Kaufstreik ist mehr als reine Konsumverweigerung – er ist ein Impuls, die Debatte um Preistransparenz und Gerechtigkeit neu zu entfachen.
Quelle: Agenturen





