Das Mittelmeer erlebt derzeit eine beispiellose Erwärmung, die weit schneller voranschreitet als in anderen Teilen der Weltmeere. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass die Oberflächentemperaturen des Mittelmeers seit einigen Jahren Rekordwerte erreichen und die Tendenz weiter steigend ist. Diese rasante Erwärmung birgt gravierende Folgen für die sensiblen marinen Ökosysteme, die sich an diese Veränderungen erst anpassen müssen.
Im Jahr 2024 wurde mit durchschnittlich rund 21,5 Grad Celsius die höchste jemals gemessene Jahrestemperatur im Mittelmeer verzeichnet, gefolgt von ähnlich hohen Werten 2025. Besonders der Juni 2025 markierte mit fast 24 Grad den wärmsten Monat seit Beginn der Messungen. Im Vergleich zu den globalen Ozeanen, die sich im Durchschnitt um etwa 0,6 Grad erwärmen, liegt der Temperaturanstieg im Mittelmeer bei über 1,3 Grad – also mehr als doppelt so schnell.
Diese enorme Erwärmung ist vor allem auf die geographischen Bedingungen zurückzuführen: Das Mittelmeer ist relativ flach und von Landmassen umgeben, wodurch die Wärme nicht so leicht entweichen kann. Zudem erwärmt sich die Atmosphäre über Südeuropa besonders stark. Das Resultat sind lokale Temperaturspitzen von über 30 Grad, insbesondere entlang der ägyptischen Küste und in der nördlichen Adria. Solche Extremwerte werden immer häufiger und beeinflussen das marine Leben erheblich.
Wärmeres Wasser enthält weniger Sauerstoff, was zu sauerstoffarmen Zonen und verstärktem Wachstum giftiger Algen führt. Tiere wie Gorgonien, rote Korallen und Schwämme leiden unter Hitzestress, und bereits jetzt kommt es vermehrt zu Massensterben von Fischen und Wirbellosen. Bedroht ist besonders das Seegras Posidonia oceanica, der „Unterwasserwald“, der entscheidend für die Stabilität des Meeresbodens und als Lebensraum für zahlreiche Arten ist. Bei einer weiteren Erwärmung von nur 0,8 Grad könnte dieses Seegras bis zum Ende des Jahrhunderts vielerorts verschwinden. Gleichzeitig wandern kälteempfindliche Fischarten in kühlere Regionen ab, was die Nahrungsketten empfindlich stört.
Ein weiteres Problem sind invasive, wärmeliebende Arten, die vermehrt über den Suezkanal oder durch Schifffahrt ins Mittelmeer gelangen. Diese sogenannten Lessepsischen Arten verdrängen einheimische Organismen und verändern Lebensräume grundlegend, was die ökologische Vielfalt reduziert und wichtige Ökosystemleistungen beeinträchtigt.
Wer an den Küsten des Mittelmeers taucht, kann diese Veränderungen bereits mit eigenen Augen beobachten: Exotische, farbenfrohe Arten treten zunehmend an die Stelle vertrauter mediterraner Bewohner. Für die Wissenschaft sind diese Phänomene ein sichtbares Zeichen eines Meeres, das sich in einem rasanten, möglicherweise unumkehrbaren Wandel befindet. Die Zukunft des Mittelmeers hängt entscheidend davon ab, wie effektiv der Klimawandel eingedämmt und die marinen Ökosysteme geschützt werden können.
Quelle: Agenturen




