Die Ausgaben für krankheitsbedingte Fehlzeiten in Spanien erreichen neue Höchstwerte und könnten 2026 fast 20 Milliarden Euro betragen. Besonders psychische Erkrankungen und die Alterung der Erwerbsbevölkerung treiben die Kosten in die Höhe, was sowohl die Sozialversicherung als auch die Wirtschaft vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Die spanische Sozialversicherung hat bis April 2026 bereits über 6,1 Milliarden Euro für vorübergehende Arbeitsunfähigkeit ausgegeben – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung spiegelt mehrere Faktoren wider: Zum einen wächst die Zahl der Erwerbstätigen, wodurch mehr Menschen potenziell krank werden können. Zum anderen steigt das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer, was mit einer Zunahme chronischer Erkrankungen und längeren Genesungszeiten einhergeht. Verzögerungen bei Diagnosen und Behandlungen verlängern zudem die Dauer vieler Krankmeldungen.
Psychische Störungen sind inzwischen die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Spanien, nach Muskel- und Skeletterkrankungen. Die Anzahl psychisch bedingter Krankmeldungen hat sich seit 2016 nahezu verdoppelt. Besonders betroffen sind Frauen, die fast zwei Drittel der Fälle ausmachen, bedingt durch emotionale Belastungen, Betreuungsaufgaben und unsichere Arbeitsverhältnisse. Das neue Arbeitsgesetz ab 2027 verpflichtet Unternehmen, psychosoziale Risiken aktiv zu überwachen, was die Dringlichkeit des Themas unterstreicht.
Die höchsten Zahlen psychischer Krankmeldungen finden sich im Einzelhandel, Gastgewerbe, Gesundheitswesen, öffentlichen Dienst und Bildungssektor – oft Berufe mit hohem Kundenkontakt und emotionalem Stress. Besonders junge Arbeitnehmer zwischen 25 und 35 Jahren sind stark betroffen. Studien zeigen zudem, dass viele Spanier mit ihrem Gehalt unzufrieden sind und die Arbeit ihre emotionale Gesundheit belastet.
Im Vergleich zu Deutschland haben spanische Selbstständige über die Sozialversicherung Anspruch auf Krankengeld, was die Ausgaben zusätzlich beeinflusst. Experten fordern eine bessere Koordination zwischen Versicherungen, Gesundheitssystem und Sozialversicherung, um Krankheitszeiten zu verkürzen. Ohne gezielte Maßnahmen ist mit weiter steigenden Kosten zu rechnen, die das Sozialversicherungssystem zunehmend belasten werden.
Quelle: Agenturen





