Die Sagrada Família, Barcelonas ikonische Basilika und jüngst zur höchsten Kirche der Welt gekürt, steht im Zentrum eines kontroversen Bauvorhabens, das die Stadtbewohner des angrenzenden Viertels Eixample in Aufruhr versetzt. Im Fokus steht die geplante Freilegung und Gestaltung der sogenannten Fachada de la Gloria – der monumentalen Gloriefassade –, die eine neue, weitläufige Eingangstreppe und einen öffentlichen Platz vor dem Haupteingang der Basilika vorsieht.
Dieses Projekt orientiert sich am ursprünglichen Entwurf von Antoni Gaudí aus dem frühen 20. Jahrhundert, verlangt jedoch den Abriss von bis zu zwei Wohnblocks mit mehreren hundert bis tausend Wohnungen, was Tausende Bewohner direkt betrifft. Seit Jahrzehnten leben diese Menschen in Unsicherheit darüber, ob ihr Zuhause der Erweiterung der Basilika weichen muss. Besonders brisant ist, dass die Finanzierung des Projekts vollständig privat erfolgt, ohne öffentliche Mittel von Staat oder Kirche, während die Sagrada Família dank Millionen von Besuchern jährlich enorme Einnahmen erzielt.
Rechtlich ist der Konflikt komplex: Einerseits existiert eine offizielle Baugenehmigung von 1975 für die betroffenen Gebäude, andererseits reservierte der städtische Bebauungsplan von 1976 den Bereich für die geplante Treppe. Die Entscheidung über den Abriss liegt letztlich bei der Stadtverwaltung Barcelonas, die vor den Kommunalwahlen 2027 Klarheit schaffen will. Die Anwohner fordern mehr Transparenz und Mitsprache, während Verhandlungen bislang getrennt verlaufen und alternative Lösungen wie Wohnungstausch oder Umsiedlungen diskutiert werden.
Dieses Bauvorhaben symbolisiert einen größeren urbanen Konflikt: Barcelona kämpft mit den Folgen eines boomenden Tourismus, der steigende Mieten und Verdrängungsschancen für Einheimische mit sich bringt. Die Debatte um die Sagrada Família wird so zum Sinnbild für das Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz, wirtschaftlichen Interessen und der Lebensqualität der Bewohner – ein Thema, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung hat.
Quelle: Agenturen



