Am Samstag (08.08.2026) versammelten sich zwischen 1.000 und 2.500 Einwohner des mallorquinischen Sóller, um gegen die unerschwinglichen Immobilienpreise und die negativen Folgen des Massentourismus zu demonstrieren. Unter dem Motto „Sóller al límit“ (Sóller am Limit) zogen sie durch die historische Altstadt und machten mit ihren Botschaften deutlich, dass sie ihr Dorf als lebendigen Ort und keine reine Investition sehen.
Die Demonstration wurde von der Jugendbewegung „Moviment Jove de Sóller“ gemeinsam mit der Plattform „Menys Turisme, Més Vida“ organisiert und von rund 80 lokalen Gruppen unterstützt. Die Route führte durch die Einkaufsstraße Carrer de Sa Lluna, vorbei an Geschäften, die vor allem auf Touristen ausgerichtet sind, was die Spannungen zwischen traditionellem Dorfleben und touristischer Übernutzung symbolisierte.
Hinter dem Protest stehen ernüchternde Zahlen: In Sóller gibt es 54 unbebaute Baugrundstücke und 1.119 leerstehende Wohnungen. Fast 39 Prozent der Immobilien gehören Eigentümern mit mehreren Objekten, darunter viele ausländische Besitzer. Die Wohnungspreise sind explodiert; eine durchschnittliche Wohnung kostet heute mehrere Millionen Euro, was es für Einheimische nahezu unmöglich macht, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Der Ausbau des Tunnels durch die Serra de Tramuntana in den 1990er Jahren hat das Tal für den Massentourismus geöffnet, was heute zu Verkehrsproblemen und sozialer Verdrängung führt. Bartomeu Miró von der Aktionsgruppe SOS Sóller beschreibt die Situation als „Ghettos von Menschen, die hier arbeiten, aber nicht wohnen können“. Sóller ist dabei kein Einzelfall, sondern steht exemplarisch für viele Orte auf Mallorca und in Spanien, die unter den Folgen des Massentourismus leiden.
Die Demonstranten knüpfen an frühere große Proteste auf der Insel an, etwa den Marsch in Palma mit über 70.000 Teilnehmern. Sie fordern die Einhaltung des Artikels 47 der spanischen Verfassung, der den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum sichern soll. Während die Stadt Palma bereits Maßnahmen gegen Ferienvermietungen und Partyboote ergreift, zeigen die Proteste in Sóller, wie dringend umfassendere Lösungen auf allen Baleareninseln nötig sind.
Am Ende der Demonstration stand die klare Botschaft: „Wer dieses Land liebt, verkauft es nicht, sondern verteidigt es.“ Sóller zeigt damit, wie Gemeinden in der heutigen Zeit für ihren Erhalt und gegen eine zerstörerische Entwicklung kämpfen.
Quelle: Agenturen





