Anthropic warnt, dass die Arbeitslosigkeit in Spanien durch den Einfluss von Künstlicher Intelligenz bis 2030 auf 18 Prozent steigen könnte. In den USA könnte sie im extremsten Fall auf 11,3 Prozent klettern, was für Spanien fast einer Verdopplung der derzeitigen Zahlen entspräche. Besonders gefährdet sind Büroarbeitsplätze.
Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic, bekannt für den Chatbot Claude, veröffentlichte kürzlich eine Studie unter dem Titel Economic Scenarios for Transformative AI. Der Bericht beschreibt drei Szenarien – von moderat bis extrem – und untersucht die möglichen Auswirkungen der KI-Entwicklung auf den US-Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2030. Da die wirtschaftlichen Strukturen Spaniens ähnliche Muster wie die der USA aufweisen, lassen sich Teile dieser Berechnungen auf Spanien übertragen.
Diese Veröffentlichung fiel zeitlich mit einer Absprache führender KI-Unternehmen zusammen, die Entwicklung der fortschrittlichsten Modelle zu verlangsamen. Diese Vereinbarung ließ allerdings die potenziellen Folgen auf den Arbeitsmarkt unberührt. Während Entwickler in sozialen Medien vor existenziellen Risiken von KI warnen, richtet Anthropic den Fokus ihres Berichts auf die wirtschaftlichen Konsequenzen: wegfallende Arbeitsplätze, sinkende Gehälter und eine vielleicht dennoch wachsende Wirtschaft.
Für Spanien bedeutet dies laut der spanischen Wirtschaftszeitung El Economista, dass die Arbeitslosigkeit auf 4 Prozent steigen würde, wenn Künstliche Intelligenz bei 20 Prozent der Aufgaben eingesetzt wird, und auf 4,6 Prozent bei 40 Prozent. Bei einem Einsatz in 60 Prozent der Aufgaben könnte die Quote sogar 12 Prozent erreichen – höher als während der Großen Rezession. Übertragen auf aktuelle Daten könnte sich Spaniens Arbeitslosenquote von 10 Prozent auf beinahe 18 Prozent erhöhen. Frühere Berichte zeigten bereits, dass KI in Spanien bis zu 300.000 Arbeitsplätze gekostet hat, vor allem im IT-Sektor und Kundenservice.
Anthropic sieht den Anstieg der Arbeitslosigkeit in einer sinkenden Nachfrage nach Arbeitskräften in den am stärksten betroffenen Sektoren, sogenannten kognitiven Arbeitsplätzen, begründet. Diese lassen sich nur schwer in andere Bereiche verlagern. Ökonomische und arbeitsmarktspezifische Reibungen bremsen zudem die rasche Anpassung an eine KI-basierte Wirtschaft. Die Methodik des Berichts ist so gestaltet, dass auch andere Länder ihre eigenen Berechnungen anstellen können.
Im schlimmsten Szenario des Berichts würde die Beschäftigung unter Wissensarbeitern bis 2030 um 21,5 Prozent sinken, die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe auf 18 Prozent steigen und die Gehälter um 11,5 Prozent fallen. Doch nicht alles sieht düster aus: Im moderatesten Szenario – vergleichbar mit den Auswirkungen der Internet-Etablierung – könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um 1,5 Prozent wachsen und der Verlust an Arbeitsplätzen unter Wissensarbeitern minimal bleiben.
Spanien investiert massiv in KI-Technologien, darunter eine Investition von 719 Millionen Euro in eine KI-Gigafabrik in Tarragona und Madrid. Das Land übertrifft sogar die Niederlande in Bezug auf die Nachfrage nach KI-Kompetenzen in Stellenanzeigen. Diese Mischung aus Arbeitsplatzverlusten und Investitionen positioniert Spanien in einem gleichgewichtigen Szenario von Risiken und Chancen.
Anthropic betont, dass der Bericht eher illustrativ als vorausschauend ist. Die große Spannbreite der Szenarien zeigt, wie unsicher Ökonomen über Tempo und Ausmaß des KI-Wandels noch sind. In Spanien scheint man sich derzeit wenig Sorgen zu machen: KI wird im Land schnell übernommen – von der Arbeit bis zur Urlaubsplanung, wobei mittlerweile mehr als die Hälfte der Reisenden KI-Tools nutzt.
Quelle: Agenturen




