Der bevorstehende Besuch von Papst Leo XIV. in Spanien (6. bis 12. Juni 2026) hat eine Welle der Kritik ausgelöst. Atheistische Organisationen und säkulare Gruppen werfen der spanischen Regierung vor, den Besuch als Staatsakt zu behandeln und damit die verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat zu untergraben.
Diese Kritik entzündet sich an der Befürchtung, dass öffentliche Gelder für ein religiöses Ereignis verwendet werden, was die institutionelle Neutralität des Staates in Frage stellt.
Verschiedene Organisationen, darunter Ateos de Cataluña, Europa Laica und die Fundació Ferrer i Guàrdia, haben sich zur Kampagne „Jo no t’espero“ zusammengeschlossen, um ihren Unmut zu äußern. Sie planen eine Protestkundgebung in Barcelona, zeitgleich mit der Eröffnungszeremonie des Papstes.
In einem Manifest prangern sie die bestehenden Abkommen zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl an, die aus der Zeit nach Franco stammen. Diese Abkommen beinhalten die öffentliche Finanzierung der Kirche, die Präsenz von Religion im Bildungswesen und steuerliche Vorteile.
Die Organisationen argumentieren, dass die Kirche durch ihre Positionen zu Themen wie Abtreibung und Sterbehilfe Bürgerrechte einschränkt und ihre historische Rolle, insbesondere während der Franco-Diktatur, nicht ausreichend aufgearbeitet hat. Europa Laica bezeichnet den Heiligen Stuhl sogar als „absolutistische Theokratie“.
Die Organisationen fordern, dass Regierungsvertreter bei religiösen Veranstaltungen nicht in offizieller Funktion auftreten und dass die Medien eine neutrale Berichterstattung gewährleisten.
Premierminister Pedro Sánchez wird zwar an keiner katholischen Zeremonie teilnehmen, aber die Messe in der Sagrada Família besuchen, was Kritik hervorgerufen hat.
Die Debatte über das Verhältnis von Kirche und Staat ist in Spanien nicht neu. Die Kampagne „Jo no t’espero“ erinnert an ähnliche Proteste gegen den Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010.
Obwohl die Säkularisierung in Spanien voranschreitet, bleibt die institutionelle Rolle der Kirche ein umstrittenes Thema. Der Besuch von Papst Leo XIV., dessen Mutter spanische Wurzeln hatte, und insbesondere sein Besuch der Sagrada Família, fallen in eine Zeit erhöhter Sensibilität und potenzieller Spannungen.
Quelle: Agenturen




