Die Feige ist eine der ältesten vom Menschen kultivierten Früchte und erreicht ihre Hauptsaison auf den Balearen im September. Obwohl die Ernte bereits Ende Juli beginnt, entfaltet sich der volle Geschmack dieser einzigartigen Frucht erst gegen Ende des Sommers. Die Feige ist botanisch betrachtet keine gewöhnliche Frucht, sondern ein sogenanntes Syconium – eine fleischige Struktur, die hunderte winziger Blüten enthält und somit eine ungewöhnliche Form der Fruchtbildung darstellt.
Archäologische Funde im Jordantal belegen, dass Feigen bereits vor über 11.000 Jahren angebaut wurden, noch vor den ersten Getreidefeldern. Sie spielten eine wichtige Rolle in den frühen Agrargesellschaften und ermöglichten dank ihrer Lagerfähigkeit durch Trocknung dauerhafte Nahrungsreserven. In der Antike galten Feigen als Symbol für Überfluss und Fruchtbarkeit, und Athleten der Olympischen Spiele nutzten sie wegen ihres hohen Energiegehalts als Nahrung vor Wettkämpfen. Auch der Philosoph Platon bevorzugte getrocknete Feigen wegen ihrer Nährstoffdichte und einfachen Verfügbarkeit.
Ein weit verbreiteter Mythos betrifft die Beziehung zwischen Feigen und Wespen: Einige Feigensorten benötigen tatsächlich Wespen zur Bestäubung, wobei die Wespe im Inneren der Frucht verdaut wird. Die meisten Feigen, die heute auf Märkten erhältlich sind – insbesondere auf den Balearen – sind jedoch parthenokarpisch und entwickeln Früchte ohne Bestäubung, was den Verzehr sicher macht.
Feigenbäume produzieren im Jahr zwei Ernten: Die Brevas im Frühsommer am alten Holz, die größer und weniger süß sind, sowie die eigentlichen Feigen, die im Spätsommer an neuen Trieben reifen und intensiver im Geschmack sind. Auf den Balearen sind besonders die einheimischen Sorten wie „Bordissot Negra“ und „Coll de Dama“ geschätzt und Teil des kulturellen Erbes.
Nährstofftechnisch sind Feigen reich an Ballaststoffen, wichtigen Mineralien wie Kalium und Magnesium sowie Antioxidantien. Getrocknet bieten sie eine konzentrierte Energiequelle, was ihre Bedeutung als gesundes Lebensmittel über Jahrtausende bewahrt hat. Dennoch empfiehlt sich ihr Genuss im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung.
Die Feige verbindet somit Geschichte, Kultur und Ernährung auf faszinierende Weise und bleibt eine wertvolle Frucht, deren Geheimnisse und Mythen bis heute begeistern.
Quelle: Agenturen




