Gebrauchtwagen auf Mallorca kaufen ist für Deutsche komplizierter als es aussieht

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Letzte Woche hat mir ein Bekannter aus Palma eine Geschichte erzählt, die ich so oder so ähnlich schon ein Dutzend Mal gehört habe. Sein Nachbar, ein gewisser Rainer K., vorher Außendienstler in Reutlingen und seit ungefähr drei Jahren Resident auf der Insel, hatte sich einen Kombi gekauft. 2018er Diesel, stand hinter einer kleinen Werkstatt in Santa Ponça, neben einem Container voller Altöl und einer Mauer wo die Bougainvillea schon bis aufs Dach gewachsen war. Spanische Papiere, 61000 auf dem Tacho, 8900 Euro bar auf die Hand, contrato de compra venta auf Spanisch unterschrieben wie es sich gehört, seine Frau hatte an dem Tag Geburtstag und die Kinder waren bei den Nachbarn also wollte er das schnell hinter sich bringen. Motor lief, Klima ging, Probefahrt war unauffällig. Drei Wochen später dann die ITV, und da steht in der Datenbank dass der Wagen bei der letzten Prüfung 94000 Kilometer drauf hatte. 33000 zurückgedreht, einfach so.

Wer auf Mallorca im Gebrauchtwagenhandel unterwegs ist, den wundert das nicht besonders. Die ITV, also das was in Deutschland die HU ist, hat den Kilometerstand lange Zeit einfach nur aufgeschrieben ohne ihn mit irgendwas abzugleichen. Vorher lief das bei vielen Stationen eher nebenbei, der Wert wurde notiert, verglichen hat ihn keiner. Seit ein paar Jahren gleichen die Prüfer den aktuellen Stand mit dem letzten gespeicherten Wert ab, und wenn die Zahl niedriger ist als beim letzten Mal, taucht ein Vermerk auf. Vier ITV-Stationen gibt es auf der ganzen Insel, im Sommer kriegst du da teilweise erst in sechs Wochen einen Termin, und deshalb verkaufen manche Händler das Auto einfach ohne gültige Prüfung und sagen dem Käufer er soll sich selber drum kümmern. Dann sitzt du da in der Warteschlange in Inca oder wo auch immer, der Prüfer tippt die Fahrgestellnummer ein, und die Zahlen passen nicht. Rainer K. wollte danach den Verkäufer anrufen, Nummer war tot, und als er drei Wochen später nochmal bei der Werkstatt vorbeigefahren ist war die Bude zu, Rolltor runter, kein Schild mehr dran.

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Spanien hat in manchen Sachen strengere Regeln als Deutschland, und in anderen Sachen klafft es dafür. Die ITV läuft nicht wie der deutsche TÜV auf einen Monat, sondern auf den exakten Tag ab, und wer auch nur einen Tag drüber ist kann 200 Euro zahlen. Im März 2026 haben Polizisten auf Mallorca eine größere Kontrollaktion durchgezogen und gezielt Autos mit deutschen Kennzeichen rausgezogen, sogar an der Playa de Palma, was vorher eigentlich nie passiert ist. Acht Stück wegen fehlender Ummeldung, zwei wegen abgelaufener Prüfung. Residenten müssen ihr Fahrzeug innerhalb eines Monats nach Wohnsitznahme ummelden, das wissen die meisten, nur machen tun es viele erst nach einem Jahr oder gar nicht. Markus Hübner, ein Kfz-Sachverständiger der seit 2019 in Palma arbeitet und vorher bei einer Prüforganisation in Stuttgart war, sagt ihm begegne das jede Woche. Deutsche die mit ihrem Auto auf der Insel leben, den deutschen TÜV auslaufen lassen und dann feststellen dass eine deutsche HU in Spanien für die Zulassung nichts bringt. Du kannst mit einem deutschen Auto zwar in Spanien zur ITV gehen, klar, nur wenn die Homologation nicht vorliegt dann bringt dir die bestandene Prüfung für die spanische Zulassung gar nichts, und genau da hängen die meisten dann fest.

Dann kam im Januar 2026 noch die V16-Warnleuchte, die jetzt in ganz Spanien vorgeschrieben ist und von der ich in Deutschland noch nie jemanden hab reden hören. Das Ding muss von der DGT zertifiziert sein und mit dem Verkehrsleitsystem kommunizieren, es ersetzt das Warndreieck komplett, egal ob Autobahn oder Landstraße. Die meisten Mietwagenkunden wissen davon nichts weil die Vermieter das Teil einfach wortlos ins Handschuhfach schmeißen und fertig. Bei Gebrauchtwagen fehlt die Leuchte bei vielleicht jedem fünften Privatverkauf, Nachrüsten kostet irgendwas zwischen 30 und 80 Euro, das will sich natürlich keiner als Preisargument andrehen lassen und gleichzeitig ist es Pflicht seit einem halben Jahr.

Grenzüberschreitend wird es dann richtig unübersichtlich. Ein Fahrzeug auf Diebstahl prüfen ist bei spanischen Autos deutlich mühsamer als bei deutschen weil die Systeme zwischen den Ländern kaum miteinander reden. Die DGT, Spaniens Verkehrsbehörde, bietet einen informe de vehículo an, den gibt es online für ungefähr acht Euro, und da stehen der eingetragene Halter drin, ob Pfandrechte drauf liegen, wann die letzte ITV war und neuerdings auch der letzte bekannte Kilometerstand. Das ist mehr als viele Deutsche erwarten, und weniger als das was man in Deutschland über das KBA bekommt. Eva Richter, eine Beraterin bei einer deutschsprachigen Gestoría in Calvià die seit Jahren Ummeldungen für Deutsche abwickelt, erzählt dass ungefähr ein Drittel ihrer Kunden diesen Bericht vor dem Kauf nie abgerufen haben. Die kaufen das Auto, kommen mit dem Kaufvertrag zu ihr, und dann stellt sich raus dass noch eine Pfändung drauf liegt oder die letzte ITV vor zwei Jahren abgelaufen ist. Einmal hatte jemand einen älteren Kombi auf einem Parkplatz in Manacor gekauft, von einem Typ der angeblich zurück aufs Festland wollte, und der Wagen war in Valencia als gestohlen gemeldet.

Dazu kommt jetzt die EU-Altfahrzeugverordnung. Sobald die greift, braucht jeder Verkauf, auch grenzüberschreitend, einen Nachweis dass das Fahrzeug kein Altfahrzeug ist, also entweder eine gültige ITV oder HU oder eben ein Gutachten von einem Sachverständigen. Für die ganzen Autos die auf Mallorca zwischen Deutschen und Spaniern hin und her gehen heißt das erstmal mehr Papierkram, und dass das Fenster zwischen Kauf und Ummeldung enger dokumentiert werden muss. Dazu die Umweltzonen, Palma hat seit 2025 eine eigene ZBE in der Altstadt mit Kameraüberwachung und 200 Euro Strafe, auf dem Festland in Madrid, Barcelona und Málaga sowieso, und 2026 kommen weitere Städte dazu. Alte Benziner, Erstzulassung vor 2000, und Diesel vor 2006 bekommen keinen Distintivo Ambiental, und damit kommst du in keine ZBE rein. Das trifft genau die Kiste Gebrauchtwagen die auf Mallorca für unter 3000 Euro gehandelt wird, die Inselflitzer die keiner mehr will wenn man damit nicht mal nach Barcelona fahren kann.

Markus Hübner sagt er habe inzwischen angefangen seinen deutschen Kunden eine Liste mitzugeben, drei Seiten, was sie vor dem Kauf prüfen sollen. Ob die Leute die Liste dann auch benutzen, weiß er nicht. Er hat das so gesagt wie Leute Sachen sagen die sie wahrscheinlich nicht tun werden. Sein letzter Fall war ein Wohnmobil aus Frankreich das über Mallorca nach Deutschland reimportiert werden sollte, mit spanischer Zwischenzulassung. Die ITV-Station in Palma hatte das Fahrzeug durchgelassen, die Papiere stimmten, nur der Rahmen hatte eine andere FIN als der Motor. Ist noch offen.