Das Älterwerden in ländlichen Regionen Spaniens unterscheidet sich erheblich von der Situation in urbanen Zentren. Besonders Menschen im hohen Alter, die Pflege benötigen oder mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben, stehen vor großen Herausforderungen.
In den dünn besiedelten Gebieten der sogenannten „España vaciada“ – dem „leeren Spanien“ – verschärfen sich diese Probleme erheblich. Eine wissenschaftliche Studie der Universidad Complutense Madrid beschreibt dieses Phänomen als „doble brecha“, die doppelte Kluft, welche die persönliche Verwundbarkeit mit den strukturellen Nachteilen des ländlichen Raums verbindet.
Ein markantes Beispiel ist die Region Kastilien und León, die besonders von Überalterung und Entvölkerung geprägt ist. Hier erschweren geringe Bevölkerungsdichte und weite Entfernungen den Zugang zu Pflege und medizinischer Versorgung deutlich. Viele Familien entscheiden sich daher, informelle Pflege selbst zu übernehmen, da professionelle Pflegedienste wegen hoher Kosten und geringer Nachfrage oft nicht rentabel sind. Diese Belastung fällt besonders stark auf Frauen.
Die psychische Gesundheitsversorgung weist ähnliche Defizite auf: Fachärzte und spezialisierte Einrichtungen sind meist in Städten konzentriert, während ländliche Gemeinden kaum Zugang zu psychologischer Betreuung haben. Dies führt zu späten Diagnosen und erschwert die Nachsorge. Telemedizin und digitale Angebote könnten Abhilfe schaffen, doch ihre Wirksamkeit hängt stark von der technischen Infrastruktur und den digitalen Kompetenzen der älteren Bevölkerung ab. Zudem ersetzt die Technologie selten den persönlichen Kontakt, vor allem bei komplexen Pflegebedarfen.
Die Studie fordert deshalb eine Anpassung der Finanzierungs- und Versorgungsmodelle, die den besonderen Bedingungen des ländlichen Raums gerecht werden. Multidisziplinäre Teams, eine bessere Verzahnung von Gesundheits- und Sozialdiensten sowie mehr kommunale Einrichtungen könnten helfen, den Zugang zur Versorgung gerechter zu gestalten. Die Entvölkerung Spaniens ist somit nicht nur eine demografische Herausforderung, sondern auch eine soziale, die den territorialen Zusammenhalt des Sozialstaats auf die Probe stellt.
Quelle: Agenturen





