In Spanien stehen Millionen von Wohnungen leer, doch auffallenderweise befinden sich diese vor allem nicht in den großen Städten. Aktuelle Daten zeigen, dass sich nicht weniger als 45 Prozent aller leerstehenden Häuser in der sogenannten „España vaciada“ befinden, den dünn besiedelten Gebieten, in denen die Entvölkerung seit Jahren ein großes Problem darstellt.
Nach den neuesten offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2021 gibt es in Spanien etwa 3,8 Millionen leerstehende Wohnungen. Auf den ersten Blick scheint dies eine mögliche Lösung für die Wohnungskrise zu sein, doch die Realität ist komplexer. Die meisten dieser Häuser befinden sich nämlich in Dörfern und Regionen, in denen kaum Nachfrage nach Wohnraum besteht.
In kleinen Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern liegt der Anteil leerstehender Wohnungen bei rund 33 Prozent. In mittelgroßen Dörfern sind es etwa 22 Prozent. In Großstädten mit mehr als 250.000 Einwohnern beträgt er nur etwa 11 Prozent. Gerade dort ist die Nachfrage nach Wohnraum am größten und das Angebot am geringsten.
Die Provinzen mit dem höchsten Leerstand liegen fast alle in schrumpfenden Gebieten. So weist Ourense über 43 Prozent Leerstand auf, Lugo 37 Prozent, Ciudad Real 28 Prozent und Zamora 26 Prozent. Gleichzeitig weisen Großstädte wie Madrid und Barcelona mit etwa 4 bis 6 Prozent gerade die niedrigsten Leerstandsquoten auf.
Experten zufolge ist der Leerstand daher kein Zeichen für ein Überangebot, sondern vielmehr eine Folge des demografischen Rückgangs. Viele Dörfer verlieren Einwohner, wodurch Wohnungen leer stehen bleiben, ohne dass neue Bewohner hinzukommen. In vielen Fällen handelt es sich zudem um alte Häuser, die dringend renoviert werden müssen, was hohe Kosten mit sich bringt.
Die spanische Regierung versucht mit Maßnahmen wie zusätzlichen Steuern auf langfristig leerstehende Wohnungen, Eigentümer dazu zu bewegen, ihre Häuser zu vermieten. Dennoch scheint dies in ländlichen Gebieten, wo es schlichtweg zu wenig Nachfrage gibt, wenig Wirkung zu zeigen. In Städten hingegen besteht das Problem gerade in einem Wohnungsmangel, wodurch Neubauten weiterhin notwendig bleiben.
Einige Dörfer versuchen, selbst Lösungen zu finden. In Orten wie Paredes de Nava werden leerstehende Häuser renoviert und neuen Bewohnern angeboten, die in der Region Arbeit suchen. Solche Initiativen helfen nicht nur dem Wohnungsmarkt, sondern auch der lokalen Wirtschaft und dem Bevölkerungswachstum.
Dennoch bleiben Hindernisse bestehen, wie komplizierte Erbschaftsangelegenheiten und Häuser ohne eindeutigen Eigentümer. Dadurch stehen viele Häuser jahrelang leer. Laut Experten liegt der Schlüssel nicht nur in der Nutzung bestehender Wohnungen, sondern vor allem in einer besseren Abstimmung der Politik auf die Unterschiede zwischen Stadt und Land.
Quelle: Agenturen





