Die Chilischote, oft fälschlicherweise als „spanische Paprika“ bezeichnet, hat ihre Ursprünge keineswegs in Spanien, sondern in Mittel- und Südamerika. Der Name „spanisch“ resultiert aus der Handelsroute, über die diese scharfe Frucht im 16. Jahrhundert nach Europa gelangte – nämlich über spanische Händler, die sie in die Niederlande brachten. Diese Namensgebung ist also weniger eine geografische, sondern vielmehr eine historische Zuordnung.
Botanisch gesehen gehört die Chili zur Familie der Paprika und ist damit näher verwandt mit der süßen Paprika als mit schwarzem oder weißem Pfeffer. Verwirrend ist jedoch, dass wir sie dennoch „Chili“ nennen, was auf ihre charakteristische Schärfe und längliche Form zurückzuführen ist. Das Scharfsein der Chili verdankt sie dem Capsaicin, einem Wirkstoff, der die Wärmerezeptoren im Mund reizt – ähnlich wie das Piperin im Pfeffer, doch mit einer ganz eigenen Schärfe.
In Spanien selbst gibt es traditionsreiche Paprikasorten wie die pimientos de Padrón, kleine grüne Schoten aus Galicien, die oft mild sind, aber gelegentlich überraschend scharf ausfallen – ein kulinarisches Glücksspiel. Ebenso bekannt ist der Pimiento de Piquillo aus Navarra, eine süße rote Paprika, die gern gefüllt serviert wird, sowie die scharfe Guindilla, die oft eingelegt genossen wird. Daneben existieren die gängigen Paprikaschoten in verschiedenen Farben, die vielfältig in der spanischen Küche Verwendung finden.
Ein sprachlicher Kniff verbirgt sich zudem im Spanischen: Pimiento bezeichnet das Gemüse Paprika, während pimienta das Gewürz Pfeffer meint. Wer also in Spanien nach „pimienta“ fragt, meint nicht die Paprika, sondern das Pfefferkorn, was in der Küche schnell zu Missverständnissen führen kann.
Obwohl die Schärfe in der spanischen Küche vorhanden ist, ist sie im Vergleich zu mexikanischen oder asiatischen Gerichten meist moderat. Die spanische Esskultur bevorzugt tendenziell mildere Aromen, wobei Gerichte wie Patatas bravas mit ihrer würzigen Tomatensauce einen wohlbekannten Akzent setzen. Somit zeigt sich, dass die Chilischote zwar aus Amerika stammt, aber in Spanien ihre eigene kulinarische Identität entwickelt hat – eine faszinierende Verbindung von Geschichte, Sprache und Geschmack.
Quelle: Agenturen





