Eine aktuelle Langlebigkeitskarte Spaniens zeigt, dass die Einwohner in fünf Provinzen – Soria, Segovia, La Rioja, Navarra und Guadalajara – besonders häufig das hundertste Lebensjahr erreichen. Diese Regionen bilden ein auffälliges Nord-Süd-Gefälle, das die demografische Vielfalt innerhalb Spaniens eindrucksvoll illustriert.
Die Daten basieren auf dem Índice de Longevidad Extrema (ELI), einem Maß, das die Wahrscheinlichkeit berechnet, hundert Jahre alt zu werden, basierend auf dem Geburtsort.
Der Demograf Michel Poulain, Experte für sogenannte „Blaue Zonen“ – Regionen mit außergewöhnlich hoher Lebenserwartung – präsentierte diese Ergebnisse auf einem nationalen medizinischen Kongress. Die Karte offenbart, dass besonders der grüne Norden Spaniens mit Galicien, Asturien, dem Baskenland sowie Kastilien und León hohe Werte aufweist, während der Süden, etwa Westandalusien, Murcia und Teile von Valencia und Extremadura, deutlich geringere Lebenserwartungen zeigt.
Interessanterweise geht der Begriff der „Blauen Zonen“ in der aktuellen Forschung mehr und mehr in sogenannte „Korridore der Lebenserwartung“ über. Hierbei wird neben der reinen geografischen Lage auch die soziale Struktur, Gemeinschaft und Gesundheitsversorgung berücksichtigt. Denn das Geheimnis eines langen Lebens liegt weniger in den Genen als vielmehr in Lebensstilfaktoren: starke familiäre Bindungen, aktive soziale Integration, Bewegung im Alltag und eine traditionelle Ernährung spielen eine zentrale Rolle. Sogar die kurze Mittagsruhe wird in Spanien als gesundheitsfördernd angesehen.
Dennoch warnt die Forscherin Ana Canelada davor, diese positiven Bedingungen als selbstverständlich zu betrachten. Veränderungen durch Urbanisierung, veränderte Ernährungsgewohnheiten und soziale Isolation können die Lebenserwartung innerhalb einer Generation wieder deutlich senken. Deshalb betonen Experten wie Pilar Rodríguez Ledo die Bedeutung der Primärversorgung als zentrale Stütze für ein gesundes und selbstbestimmtes Altern.
Zusammenfassend zeigt die Langlebigkeitskarte Spaniens eindrucksvoll, wie stark regionale und soziale Faktoren die Lebenserwartung beeinflussen. Ein langes Leben ist möglich – doch es erfordert ein bewusstes, gemeinschaftliches und gesundheitsorientiertes Leben.
Quelle: Agenturen





