Ein ungewöhnlicher Appell erschüttert derzeit das britische Steuer-Paradigma: 120 britische Millionäre, darunter prominente Persönlichkeiten wie der ehemalige Fußballer Gary Lineker, fordern von Premierminister Andy Burnham eine Vermögenssteuer. Diese Initiative, vereint unter dem Banner „Proud to pay“, setzt sich für eine jährliche 2-Prozent-Abgabe auf Vermögen jenseits von zehn Millionen Pfund ein. Ziel ist es, durch diese Maßnahme jährlich 24 Milliarden Pfund einzunehmen und so zu einer gerechteren Gesellschaft beizutragen.
Im Gegensatz dazu ist die Situation in Spanien ein Spiegelbild dieser britischen Bewegung. Dort existiert bereits eine Vermögenssteuer namens Impuesto sobre el Patrimonio, ergänzt durch eine Solidaritätsabgabe auf hohe Vermögen ab etwa drei Millionen Euro. Dennoch wandern wohlhabende Spanier massenhaft ab – oftmals nach Portugal oder Andorra – um von dort günstigeren Steuerregelungen zu profitieren. Während britische Millionäre öffentlich mehr Steuerzahlung fordern, ist ein vergleichbarer Aufruf in Spanien nahezu undenkbar.
Die Gründe für diese Unterschiede liegen im politischen und wirtschaftlichen Kontext: In Großbritannien fehlt bisher eine solche Vermögenssteuer, weshalb der Aufruf der „Patriotic Millionaires“ als bemerkenswerte Selbstverpflichtung gilt. Im Gegensatz dazu belastet Spanien seine reichen Einwohner relativ stark, was laut Experten wie Cristina Enache von der US-amerikanischen Tax Foundation eine Abwanderung von Vermögen fördert.
Besonders Portugal profitiert von steuerlichen Anreizen für Neuankömmlinge, die den Zuzug vermögender Spanier anregen. Andorra lockt ebenfalls mit günstigen Regelungen nahe der spanischen Grenze. Für viele Reiche ist es entscheidend, eine Balance aus Lebensqualität, Nähe zum Heimatland und steuerlicher Attraktivität zu finden.
Für in Spanien lebende Ausländer bedeutet die bestehende Vermögenssteuer keine neue Belastung, da sie durch Freibeträge geschützt bleiben. Allerdings hat die Europäische Kommission festgestellt, dass Spanien seit 2015 im EU-Vergleich die Steuerlast am stärksten erhöht hat — vor allem auf Arbeitseinkommen, weniger auf Vermögen.
Der britische Finanzministerin Emma Reynolds zufolge könnten freiwillige Beiträge an den Fiskus das Thema temporär überbrücken, doch eine ernsthafte Debatte über eine Vermögenssteuer in Großbritannien steht erst noch bevor. Zum Schluss zeigt sich: Während in Großbritannien eine bemerkenswerte Solidaritätsbewegung entsteht, läuft Spanien dem Trend entgegen, indem Reiche das Land steuerlich zu umgehen versuchen. Dieser Gegensatz offenbart tiefgreifende Unterschiede in politischen Prioritäten und gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber Vermögen und Verantwortung.
Quelle: Agenturen





