Immer mehr Spanier entscheiden sich für eine private Krankenversicherung

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In Spanien existieren im Wesentlichen zwei Gesundheitssysteme: die öffentliche und die private Gesundheitsversorgung. Obwohl das öffentliche System oft als exzellent gilt und international gelobt wird, auch weil es scheinbar kostenlos ist, sieht die Realität oft anders aus.

Die Entscheidung für die private Variante ist in Spanien weit verbreitet, wie Zahlen belegen. Die private Gesundheitsversorgung in Spanien ist in den letzten fünf Jahren stark gewachsen. Im Jahr 2020 hatten etwa 11 Millionen Menschen eine private Krankenversicherung, bis 2025 stieg diese Zahl auf 12,8 Millionen, einschließlich des sogenannten Mutualismo Administrativo (Versicherung für Beamte).

Dieses Wachstum setzt sich fort. Diese Zahlen stammen aus dem jährlichen Forschungsbericht der Fundación IDIS, einem Thinktank, der den privaten Gesundheitssektor untersucht.

Was sind die Gründe für diesen Aufstieg? Und bedeutet dies, dass der Zugang zu guter Gesundheitsversorgung in Spanien zunehmend vom Einkommen abhängt?

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Der private Sektor wickelt mittlerweile 30 bis 40 Prozent aller Gesundheitsleistungen in Spanien ab. Im Jahr 2023 fanden über 35,7 Millionen Konsultationen in privaten Kliniken und Krankenhäusern statt, fast 30 Prozent der Gesamtzahl. Der Sektor führte 2,28 Millionen Operationen durch und behandelte 10,7 Millionen Notfälle. Die Ausgaben für die private Gesundheitsversorgung beliefen sich auf 37 Milliarden Euro, fast 2,5 Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts.

Regionale Unterschiede sind erheblich. Madrid führt mit einer Marktdurchdringung von 37 Prozent, gefolgt von Katalonien (31 %) und den Balearen (30,9 %). In diesen Regionen leben auch die meisten Niederländer und Belgier. Für Expats und Rentner in diesen Gebieten ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass ihr Arzt oder Facharzt in einer Privatklinik tätig ist und Behandlungen nicht automatisch über das öffentliche System laufen.

Sergio Fernández vom Verband zur Verteidigung des öffentlichen Gesundheitswesens sieht die Wachstumszahlen als Alarmsignal. Seiner Meinung nach entscheidet sich niemand freiwillig für eine private Versicherung, wenn das öffentliche System gut funktioniert. Wer schnell Hilfe benötigt, zahlt letztendlich doppelt: über Steuern und über die Krankenversicherung. Er sieht die Zentralregierung und die Regionalregierungen als Treiber der Privatisierung.

Der private Sektor erhält öffentliche Gelder über Kooperationsverträge und Ausschreibungen. Der private Sektor übernimmt die profitablen Bereiche, während das öffentliche System die teuren Fälle auffängt, so Fernández.

Guillén del Barrio, Krankenpfleger in Madrid, bestätigt dieses Muster. Die Krankenhäuser sind bereits überlastet, und die Wartelisten werden länger. Die steigende Zahl privat Versicherter liegt daran, dass das System sie abweist. Er weist auf steigende Kosten privater Versicherungen im Alter hin. Mit 30 kostet eine Versicherung vielleicht 40 Euro, mit 70 bis zu 350 Euro. Nach schweren Krankheiten steigen die Prämien stark. Wer sich die Versicherung nicht mehr leisten kann, greift wieder auf das öffentliche System zurück.

Marta Villanueva von der Fundación IDIS räumt ein, dass lange Wartezeiten im öffentlichen System Menschen in die private Gesundheitsversorgung treiben. Sie betont aber auch, dass viele sich bewusst für eine private Police entscheiden. Ihrer Meinung nach entlastet der private Sektor das öffentliche System und plädiert für ein integriertes Modell.

Quelle: Agenturen