Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt weltweit – in Spanien hat sie bereits bis zu 300.000 Arbeitsplätze beeinflusst, die unter normalen Umständen entstanden wären. Besonders betroffen sind Programmierer, Callcenter-Mitarbeiter und Büroangestellte, also Berufe mit vielen repetitiven, textbasierten Aufgaben, die sich gut automatisieren lassen.
Die Daten basieren auf der Analyse der spanischen Sozialversicherungsanmeldungen und zeigen, dass seit 2023 drei Branchen deutlich hinter dem erwarteten Beschäftigungswachstum zurückbleiben. Es handelt sich dabei nicht um Massenentlassungen, sondern um Stellen, die schlichtweg nie geschaffen wurden – trotz Wachstum in den betreffenden Sektoren. Besonders der Programmier- und IT-Beratungsbereich steht exemplarisch für diesen Wandel. Während verschiedene Berufsbilder in der IT unterschiedlich stark betroffen sind, deutet der Trend auf eine Kombination aus Automatisierung und dem Ende einer Phase übermäßiger Neueinstellungen hin.
Im Bereich Kundenservice und Verwaltung zeigt sich ein noch drastischeres Bild: Nach einem jährlichen Wachstum von 6,2 % vor der Pandemie schrumpft dieser Sektor inzwischen um 6,4 %. Die Diskrepanz zwischen erwarteter und tatsächlicher Beschäftigung hat sich von rund 44.000 auf etwa 112.000 fehlende Arbeitsplätze erhöht. Dies ist ein Teil des paradoxerweise angespannten Arbeitsmarktes in Spanien, wo trotz vieler offener Stellen Millionen Arbeitssuchende registriert sind.
Ende 2025 lag der kumulierte Mangel in den drei analysierten Branchen bei etwa 260.000 Arbeitsplätzen, mit einer vorsichtigen Schätzung von bis zu 300.000 im Juli 2026. Während die Zahlen für den Programmierbereich als zuverlässig gelten, sind bei den anderen Sektoren auch Effekte durch neue statistische Klassifizierungen zu berücksichtigen.
Trotz dieser Herausforderungen investiert Spanien massiv in KI-Technologien und verzeichnet eine hohe Nachfrage nach KI-Kompetenzen, insbesondere im Ingenieursbereich. Die Technologie vernichtet also zwar Arbeitsplätze in bestimmten Bereichen, schafft zugleich aber neue Chancen und Berufe.
Bemerkenswert ist die hohe Akzeptanz der Spanier gegenüber KI: Über 80 % nutzen KI-Technologien täglich, und das Vertrauen in diese Technologie ist europaweit besonders groß. Dieser Mix aus Arbeitsplatzverlusten und positiver Einstellung macht Spanien zu einem interessanten Beobachtungsfeld für die langfristigen Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt.
Experten empfehlen, künftig den Arbeitsplatzverlust stärker nach Berufsgruppen statt nach Branchen zu messen, um den Wandel präziser zu erfassen. Für Arbeitnehmer in IT und Kundenservice bleibt es wichtig, die Entwicklungen genau zu beobachten, um sich auf die rasche Automatisierung ihres Fachgebiets einzustellen.
Quelle: Agenturen





