Die Kanarischen Inseln zahlen gegenwärtig die niedrigsten Löhne in ganz Spanien. Im zweiten Quartal 2026 beträgt das durchschnittliche monatliche Gehalt eines Arbeitnehmers dort 2.016 Euro, was rund 500 Euro unter dem spanischen Durchschnitt liegt. Laut dem spanischen Statistikamt, dem Instituto Nacional de Estadística (INE), belegten die Inseln von den siebzehn autonomen Regionen den letzten Platz hinsichtlich der Löhne. Noch im ersten Quartal lagen sie auf dem vorletzten Platz, nur Extremadura lag dahinter.
Obwohl der Tourismus seit über drei Jahren kontinuierlich wächst—mit einem Rekord von 18,4 Millionen Touristen im Jahr 2025 — und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Inseln im Vergleich zu anderen spanischen Regionen überdurchschnittlich hoch ist, spiegelt sich dies wenig in den Einkommen der Arbeitnehmer wider.
Im Vergleich zum Rest von Spanien stieg das Durchschnittsgehalt auf den Inseln im letzten Jahr um 4,1 Prozent, was leicht über dem landesweiten Durchschnitt von 4 Prozent liegt. Dennoch bleibt das Lohngefälle bestehen. Extremadura, ehemals Schlusslicht, hat inzwischen ein Durchschnittsgehalt von 2.022 Euro und übertrifft damit die Kanarischen Inseln. Der nationale Durchschnitt liegt bei 2.513 Euro, die Balearen kommen auf 2.428 Euro, und Madrid führt mit 3.060 Euro.
Auch beim Lohn pro Stunde stehen die Kanarischen Inseln am unteren Ende: Dort erhält man 15,46 Euro pro Stunde, und die gesamten Arbeitskosten betragen 21,37 Euro — landesweit die niedrigsten Werte. Diese Entwicklung ist nicht neu; schon 2024 lagen die Arbeitskosten deutlich unter denen Madrids.
Der Dienstleistungssektor dominiert die kanarische Wirtschaft mit einem Anteil von 37 Prozent am regionalen BIP. Hotels, Restaurants und Geschäfte schaffen viele Arbeitsplätze, zahlen jedoch weniger als zum Beispiel die Industrie, was die Gehaltsstatistik insgesamt drückt. Trotz florierenden Tourismus spüren Arbeitnehmer oft wenig vom finanziellen Aufschwung.
Das INE unterscheidet zwischen “Lohnkosten” (nur das Gehalt) und “Arbeitskosten” (Gehalt plus Sozialabgaben). Landesweit stiegen letztere im zweiten Quartal um 4 Prozent auf 3.388,15 Euro pro Monat und Arbeiter.
Spanienweit zeigt sich zudem ein ähnliches Bild: Der durchschnittliche Jahreslohn betrug 2024 rund 29.540 Euro, allerdings verdient die Hälfte der Arbeitnehmer weniger als 25.000 Euro brutto jährlich. Besonders im Gastgewerbe werden niedrige Einkommen von rund 17.600 Euro verzeichnet, ein wesentlicher Faktor auf den Kanarischen Inseln.
Die Preissteigerung ist ein weiteres Problem. Bei einer Inflationsrate von 3,8 Prozent gleicht eine Lohnerhöhung von 4,1 Prozent kaum den Anstieg der Lebenshaltungskosten aus. Eigentumswohnungen verteuerten sich im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent und der Quadratmeterpreis stieg auf 2.234 Euro. Die wachsende Differenz zwischen Gehältern und Kosten erschwert es Arbeitnehmern, insbesondere auf den Kanarischen Inseln, mit dem steigenden Lebensstandard mitzuhalten. Wer dort arbeitet oder einen Job in Betracht zieht, sollte die Gehälter immer im Verhältnis zu den Wohnkosten betrachten, da die Immobilienpreise doppelt so schnell steigen wie die Löhne.
Quelle: Agenturen





