„Öko-Angst“ bei älteren Menschen in Spanien

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Laut Berichten der spanischen Zeitung La Vanguardia verspüren ältere Spanier zunehmend Schuldgefühle und Unruhe über den Zustand des Planeten. Was einst hauptsächlich ein Anliegen der Jugend war, verlagert sich nun auf die Generation, die den größten Teil ihres Lebens hinter sich hat. Sie fragen sich, was sie hinterlassen werden und was noch zu retten ist.

Viele Senioren sprechen über Hitzewellen, die jedes Jahr extremer werden, Dürren, die das Land entvölkern, und Waldbrände, die immer näher an bewohnte Gebiete heranrücken. In Regionen wie Andalusien und Katalonien sind diese Veränderungen keine abstrakte Vorstellung mehr, sondern tägliche Realität. Wo früher ein heißer Sommer normal war, fühlt es sich nun wie eine ständige Bedrohung an.

Viele ältere Menschen geben an, Teil einer Generation gewesen zu sein, die vom Wirtschaftswachstum profitierte, ohne über die ökologischen Folgen nachzudenken. Autos, Massentourismus, Konsum – all das gehörte zum Fortschritt dazu. Jetzt blicken sie mit gemischten Gefühlen zurück, nicht unbedingt mit Reue, aber mit Zweifeln, ob sie zu wenig getan haben.

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Psychologen in Spanien beobachten diesen zunehmenden Trend. Die sogenannte Öko-Angst, eine chronische Angst vor Umweltschäden, wurde lange Zeit vor allem bei jungen Menschen festgestellt. Fachkräfte stellen jedoch fest, dass auch Menschen über 60 mit Schlaflosigkeit, Grübeleien und einem Gefühl der Ohnmacht zu ihnen kommen. Anders als junge Menschen haben sie weniger Möglichkeiten, etwas zu verändern, was das Gefühl noch verstärkt.

Auch in Deutschland spielt Öko-Angst eine Rolle, wobei der Schwerpunkt dort nach wie vor auf jungen Menschen und Aktivismus liegt. In Spanien erhält sie eine andere Bedeutung: mehr Reflexion, weniger Aktion, was mit der Kultur, aber auch mit der Lebensphase zusammenhängt. Wer im Ruhestand ist, blickt häufiger zurück als nach vorne. Dennoch herrscht nicht nur Trübsinn. Manche ältere Menschen suchen nach Wegen, um doch noch einen Beitrag zu leisten, indem sie weniger konsumieren, Energie sparen und ihre Enkelkinder bewusst erziehen. Kleine Schritte, aber mit symbolischem Wert, die ein Gefühl der Kontrolle in einer Situation vermitteln, die größer erscheint als der Einzelne.

Öko-Angst unter Senioren ist nicht nur Angst vor der Zukunft, sondern auch eine Form der moralischen Bilanz, ein letzter Versuch, Entscheidungen aus der Vergangenheit einen Sinn zu geben und, so bescheiden es auch sein mag, noch etwas wiedergutzumachen.

Quelle: Agenturen