Wer nach Palma fliegt, wird sie kaum übersehen: Hunderte Windmühlen, die sich über die Ebene südlich des Flughafens erstrecken und beim Landeanflug ihre Flügel majestätisch im Wind drehen. Doch warum verfügt gerade Mallorca über eine so außergewöhnlich hohe Dichte an Windmühlen – mehr als fast jede andere Mittelmeerinsel?
Die Antwort liegt im starken und verlässlichen Nordwind, der Tramontana. Dieser kalte Wind, der die Bergkette im Nordwesten der Insel formt, erreicht Geschwindigkeiten, die Windkraft wirtschaftlich nutzbar machen. So entstand auf Mallorca eine weit verbreitete Windmühlenindustrie, die heute nur noch von Kreta übertroffen wird.
Historisch gab es auf der Insel tausende Windmühlen, wobei zwei Haupttypen zu unterscheiden sind: Die älteren, zylindrischen Getreidemühlen mit Stoffsegeln, die seit vor der christlichen Eroberung im 13. Jahrhundert Getreide zu Mehl mahlten, und die jüngeren Wasserfördermühlen mit Metallflügeln, die im 19. Jahrhundert eingeführt wurden, um Grundwasser für die Landwirtschaft zu pumpen.
Heute sind einige dieser Mühlen restauriert und zugänglich, etwa im Fischerviertel Es Jonquet in Palma oder im Pla de Sant Jordi, wo die Wasserfördermühlen ihren ursprünglichen Kontext bewahren. Doch viele Windmühlen befinden sich in einem schlechten Zustand. Die Restaurierung läuft langsam, bedingt durch die hohe Anzahl und oft privaten Besitz, doch es gibt engagierte Initiativen, die das industrielle Erbe Mallorcas bewahren wollen.
Für Einheimische und Besucher sind die Windmühlen oft nur Teil der Landschaft. Doch wer ihre Geschichte kennt, erkennt in ihnen ein lebendiges Zeugnis jahrhundertealter Traditionen und technischer Innovationen, die Mallorca unverwechselbar machen. Diese einzigartige Windmühlenlandschaft bereichert nicht nur das Bild der Insel, sondern eröffnet auch eine tiefere Verbindung zur Geschichte und Kultur des Mittelmeers.
Quelle: Agenturen




