Der Schutzplan PATIVEL für die Küste der Region Valencia steht erneut zur Diskussion. Aufgrund politischer Entscheidungen droht ein juristischer Bumerang, der erhebliche Folgen für Gemeinden wie Calpe und andere Orte entlang der Costa Valenciana haben könnte.
PATIVEL wurde 2018 eingeführt, um die valencianische Küste besser vor Überbauung zu schützen. Der Plan sorgte dafür, dass etwa 7.500 Hektar Küstenland, das zuvor für Bauprojekte vorgesehen war, nun doch geschützt wurde. Außerdem wurde festgelegt, dass innerhalb von 500 Metern Entfernung zur Küste praktisch nicht mehr gebaut werden darf. Damit sollte Schäden an der Natur, der Landschaft und der Artenvielfalt vorgebeugt werden.
Seit dem Amtsantritt einer neuen Regionalregierung hat sich die Politik jedoch geändert. Die konservative Regionalregierung will PATIVEL durch ein neues Küstengesetz ersetzen. Nach diesem Gesetz wäre das Bauen bereits in etwa 200 Metern Entfernung von der Küste wieder möglich, solange die Projekte nach Ansicht der Regierung „nachhaltig” sind. Das klingt für Gemeinden und Projektentwickler attraktiv, birgt aber laut Experten ein großes Risiko.
Umweltjuristen und -organisationen warnen, dass dieser Kurs gegen geltendes Recht verstoßen könnte. Sobald ein Gebiet offiziell geschützt ist, darf dieser Schutz nicht einfach abgeschwächt werden. Dies wird als Prinzip der Umweltregression bezeichnet. Wenn die neuen Vorschriften gegen dieses Prinzip verstoßen, besteht die Möglichkeit, dass Richter das Gesetz später für ungültig erklären.
Das hätte erhebliche Folgen. Gemeinden wie Calpe, die bereits Baugenehmigungen erteilt haben, könnten in Schwierigkeiten geraten. Genehmigungen könnten für ungültig erklärt werden, und im Extremfall müssten Gebäude sogar wieder abgerissen werden. Der finanzielle Schaden könnte sich dabei auf Millionen Euro belaufen.
Umweltorganisationen weisen auch darauf hin, dass die Küste durch den Klimawandel immer anfälliger wird. Der steigende Meeresspiegel, die Küstenerosion und extreme Wetterbedingungen machen das Bauen in Meeresnähe besonders riskant. Ihrer Meinung nach wird dies in den neuen Plänen nicht ausreichend berücksichtigt.
Die Diskussion um PATIVEL zeigt, wie schwierig es ist, ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Interessen und Naturschutz zu finden. Was jetzt als Lockerung für Wachstum und Tourismus präsentiert wird, könnte später zu jahrelangen Rechtsstreitigkeiten und hohen Kosten für Bürger und Behörden führen.
Quelle: Agenturen





